Bevor mer aufspieln kann, wie der Graf Bibbers brauchts scho a poor Jährla, und die Zeit der Unterrichtsstundn sin net grod die angenehmstn. Ich erinner mi nu an meine Empfindungen, wenn ich als Madla wöchentlich mit meim Quetschnkastn af an klann Wächala mit der Straßerbo in di Stund gfahrn bin: So vill Jahr scho immer der gleiche Weg, immer die gleiche Peinlichkeit, wall ich halt nie so geübt hob, wie i hätt solln und kein Ende in Sicht. Mit der Schul würds zu an bestimmtn Zeitpunkt gor sei, aber der Akkordeon-Unterricht, dem wor ja überhaupt ka Ende gsetzt. Die ganze unendlich scheinende Weite von so am Menschenlebn hat sich drohend vor mir aufbaut.
Aber zerscht amol die nächste Unterrichtsstund: So a halbe Stund konn sich fei ziehng. Manche hom ja des Glück, daß der Lehrer auf a bestimmts Stichwort hin anfängt mit Erzählungen vom Krieg oder der Briefmarkensammlung. Bei die meistn aber is es a halbe Ewigkeit harter Arbeit. Der Versuch, den Lehrer davon zu überzeugn, daß des Stück in der eignen Interpretation viel schöner is, als des, wos do angeblich in die Noten steht, is meistens unfruchtbar. Da wird Rhythmus klopft und zählt: Eins, Zwei und Drei, Eins und Zwei und Drei und..... Halt! Des is kurz, do is a Punkt über die Noten, do mußt lauter wern und etz hast die Wiederholung vergessn. Wie sitztn überhabbts scho widder do: Kreuz durchstreckn, Daumen dohi, klaner Finger dorthi, grod, daß der net sogn, wosd mit der Kopfhaut machen sollst. Nochamol vo vorn, net auf die Tastn schaua, Fingersatz beachtn. Gott sei dank, es klingelt, die nächste Schülerin is in Sicht. Wer tät do net lieber im Kinderchor singer.
Eltern, die sich nach drei Monat Unterricht ihr Lieblingslied vom Sprößling erhoffen, wern mastns bitter enttäuscht. Die Instrumente, aus denen gleich einigermaßen anhörbare Tön rauskumma, wie Klavier oder Harmonika, sin rar. Die meisten Geräte lassen anfangs netamol erahnen, daß es sich überhaupt um Musikinstrumente handelt. Unkontrolliertes Dröhnen, Quäken, Pfeifen und Quietschen schallt durchs Haus und quält sämtliche Bewohner und Nachbarn.
Der Vater, der gfrocht worn is, ob sich der Trompeten-Unterricht für sein Sohn scho auszahlt hat, gibt dementsprechend aa bloß zu Antwort: Ja klar, ich hob ja des Nachbarshaus um ern halbn Preis kaufen könna.
Je nach Übungseifer und Talent könner dann Mitbewohner erste musikalische Feinheiten, wie Melodie und Rhythmus erkenner. Auch wenn der Stolz der Lernenden beim ersten „Horch amol zu, des is der Schneewalzer" vom zweifelnden Gsicht der Hörerschaft eher gebremst wird.
Als nächste Heimsuchung bricht dann allerdings eine Sadisten-Erfindung namens „Etude" über die Hausgemeinschaft herein. Wie der Nomer scho sacht, geht’s dabei net um Musik, sondern ums Studiern. Studiern kann mer dabei nämlich, wie abgehärtet die Nachbarn inzwischen sin, wenn mer jedn Tooch zwaa Stund Tonleitern und ähnliche Übungen nauf und nunter spielt.
Qualverschärfend für den Studiosus is dann bloß noch die Verbannung ans Metronom. Des is a Kästla, an dem a Zeiger in zu bestimmender Gschwindigkeit immer hin und her tickt. Und mit dem unbarmherzigen Metalldrum soll mer dann im gleichn Takt spieln. Dabei hat noch kein Lehrer bewiesen, daß des Ding überhaupt an Rhythmus halten konn. Dagegn hat bis etz noch jeder Schüler empirisch belegt, daß es entweder vorn dro is oder hinterherhinkt.
Wenn mer vor all diesen Hürden net kapituliert, dann überlegt mer sich wahrscheinlich irgendwann, daß es Spieln mit andere zamm vielleicht nu schönner wär. Hat mer a poor Gleichgesinnte gfundn, dacklt mer ab sofort jede Wochen zusätzlich zum Unterricht nu in die Gruppenprob. Etz is su a Musikgruppen ja a soziales Geschehen und so muß mer in der Prob natürlich auch persönliche Beziehungen aufbauen in Form von ausgiebigm Ratschn, mitanander Verschbern und Trinkn und Rumalbern und Witz derzilln. Vo manche Gruppen wird gor behauptet, ihr Hauptlebenszweck wär eben dieses. Manchmal steht allerdings a öffentlicher Auftritt bevor und do wird dann doch kräftig draufhinprobt. Des dumme is bloß - nach am altn Musikantenspruch - : 1000x daham könnt, is nu lang net in der Prob könnt, und 1000mal in der Prob könnt, haßt nu lang nix für die Bühne.
Ich hoff, ich hob etz niemanden verunsichert, wo eigentlich vorghabt hat, die Tochter es Tubaspielln lerna zu lassn. Mer braucht lediglich an schalldicht ausbautn Raum, an guten Ohrnarzt, zwanzg Johr Geduld und aweng a Offenheit für musikalische Nebenkriegsschauplätze, dann kummt scho wos raus dabei. - Odder aa net.