MUSIKANTENLEBN

Für an Zuhörer und Gast is a Veranstaltung mit Musik ja mastens wos ganz Entspannendes. Vielleicht sin Sie auf am privaten Fest, etwa einer Geburtstags- oder Hochzeitsfeier. Dann könna Sie einfach genießen, was da geboten wird. Oder Sie genga auf a öffentliche Veranstaltung, wo Sie an der Kasse Ihrn Eintritt zahln und damit hat sichs dann scho wieder für Sie. Von der Bühne aus werdn Sie mit Unterhaltung bedient. Aus der Musikantenperspektive is des mastens ganz anders. Die ham oftmals mit den verschiedensten Problemen zu kämpfen. Aa wenn Sie des vielleicht und hoffentlich gar net mitkriegn.

Die Kalamitäten vo die Musikanten könna unter Umständen schon weit vor dem Auftritt angehn. Nämlich bei der ersten Kontaktaufnahme und den Verhandlungen mit dem Auftraggeber. Da is aufm Anrufbeantworter beispielsweis a Mensch, von dem du weder Name noch Geschlecht identifiziern konnst und der erzählt begeistert stundenlang, wie er zu deiner Telefonnummer kumma is und dass er unbedingt a urige Musik für sein 37ten Geburtstag braucht. Dann legt er auf und du wasst weder a Datum, noch an Ort von der Geburtstagsfeier, geschweige denn a Telefonnummer von dem namenlosen Zeitgenossen. Beim nächsten Anruf beschwert er sich, dassd net zurückgrufen hast, betont, dass es dringend is, und sagt diesmal sogar sei Nummer aufm Apparat. Und, dass er morgn genau zwischen 5 Uhr 15 und 5 Uhr 30, oder zwischen 13 Uhr 45 und 14 Uhr erreichbar is. Du denkst der, dem Mensch is entgangen, dass Musikanten net grod Frühaufsteher sin. Also wirds mit dem Rückruf erst was um 13 Uhr 45. – Wenn do net grod der Postbot mit am Päckla vor der Tür steht und du verzweifelt 21 Euro 30 für die Nachnahmegebühr zammkratzt oder dir die Hausfrau a Gspräch über die Putzordnung naufhängt. Punkt 13 Uhr 59 rufst dann doch nu an und am anderen End von der Leitung piepts bloß recht eindringlich. Wenns dann doch amol klappt, und Ort, Datum, Uhrzeit und sogar die Gage anstandslos geklärt is, deine Kumpel könna auch an dem Tag, was vier weitere Telefonate ergebn habn, dann – ja dann konns der passiern, dass desselbe Ritual mit Anrufbeantworter und versuchten Rückrufen noch zwanzig Mal ansteht, weil der Kunde zum Beispiel wissen will, ob du „Wo is denn es Gerchla“ oder „Sierra Madre Su“ spilln konnst, weil des is Lieblingslied von der Oma is - und ob des wos macht, wenn um ¼ Zehna a Sketch aufgführt wird - und ob ihr vielleicht Stühl braucht, und wenn ja, wieviel.

Schließlich aber is der Abnd von der Geburtstagsfeier do. Selbstverständlich rechtzeitig stürzt du dich in deine Auftrittsklamotten, packst dei Instrument zamm und fährst los. Abgsehgn davon, dass natürlich wieder kein Benzin mehr im Tank is, dass der Bassist, den du abholen sollst, mitsamt Bass im Aufzug steckenbliebn is und die Anfahrtsbeschreibung, gelinde gsacht, etwas unscharf is, bist pünktlich a Viertelstund vorher am Ort des Geschehens. Bloß – sunst is nu kaner do! Nach aner nervösen halben Stund, in derst überlegst, obsd a Wochen, a Monat oder gar a Jahr zu ball oder zu spät drobist, geht der plötzlich auf, dass‘ heut nacht die Uhr wegen der Sommerzeit umgstellt hom, und etz wird der aa klar, warum der Veranstalter vorhin so komisch auf die Uhr gschaut hast, wiest kumma bist. Nach aner weiteren Wartezeit treffen dann auch die Kollegn ei. Fürn Spott brauchst natürlich net sorgn und nach kurzem Einstimmen gehts dann endlich los.

Die Veranstaltung wird ganz nett. Die Leut tanzen sogar. Außer, dass mer nie genau waß, ob mer etz die Anweisungen vom Kunden oder die – leider widersprüchlichen - von seiner Frau befolgn soll, außer, dass der Wirt ständig drängt, mer sollert leiser spilln, wall im Saal obndrüber die Esoterischen Yoga-Anhänger e.V. heut ihrn Meditationsabend hom, außer, dass so a fünfjähriger Zwetschger a mords Freud dran hat, am Bier von die Musikanten zu nuckeln, außer, dass der Vatter vom Jubilar in jeder kurzen Pause anstimmt „Die Musik hat Schlaf, und wenn die Musik Schlaf hat, dann hat die Musik Schlaf..“, außer, dass die Tante aus Berlin lang und breit erzählt, dass ihr Neffe als Kind ja soo musikalisch war, und soo schee Melodika gspillt hat, und: außer, dass alles, wos in den zwanzig vorhergehenden Telefonaten lang und breit abgsprochen worn is, etzat null und nichtig is, läuft der Abnd durchaus gut. Bloß der Gschäftskolleg vom Geburtstager nervt aweng, wall er alle Viertelstund mit an neuer Wunsch ankommt. Weil des aber an die Musikanten-Ehre geht, besonders, wenn die Ehre in Form von an 20-Euro-Schein angegriffen wird, bringt mer dann aa amol „Satisfaction“ aus die Blasinstrumente und der Quetschn raus oder macht die kleine Nachtmusik vom Mozart zu an Dreher.

A weng lästig is es für die Musikanten bei am Auftritt, wenn die Bedienung beschlossen hat, dass Musikanten etwa auf einer Stufe mit Bettler, Hausierer, Vegetarier, Mineralwassertrinker und sonstigem Abschaum stehn, und sie deshalb netamol ignoriert. Da kann mer dann bloß den musikalischen Umweg über die Zuhörer machen, die, wenns den kurzen, aber traditionellen Texteinwurf „Jessas hom mir an Durscht“ net lediglich für an Gag halten, dann a Maß Bier zu die Musikanten schicken. Es soll Kollegn gebn, die da ziemlich drastische Drohungen ausstoßen wie des Versla: „Bier her, Bier her, oder ich fall um, fall um. Kräich i etz ka Seidla Bier, no scheiß i vor die Wertshaustür.“ Aber meistens gehts auch mit sanfteren Andeutungen, zum Beispiel eignet sich gut der Marsch mit dem schönen Text: „zwo, drei, vier, die Musik hat ka Bier“, der je nach Bedarf auch in umgedichteter Form eingsetzt werdn kann als „elf, zwölf, dreizehn, die Musik hat ka Weizen“ oder „eins, zwo, drei, die Musik hat kan Wein.“

Schließlich hast 6 Stund lang mit 1000 Kilopond dei Quetschn traktiert, die Klarinettistin hat durchbissne Lippn, bei ihrm Kollegn pfeifts bloß nu nebern Mundstück naus und der Trompeter schläft im Stehn, die Saiten vom Kontrabass sin fast durchgsäbelt. Nach kurzer Rückfrage beim Veranstalter, ob mer etz net zum End kumma sollert, spielt mer die Schluss-Runde. Und dann kommt die Stunde der Wahrheit. Etz müssen die Gagenforderungen an den – inzwischen ziemlich alkoholisierten – Auftraggeber bracht werdn, der hat natürlich im Moment nix wichtigers zu tu, als mit am Freind die große Weltpolitik zu diskutiern. Im weitern Verlauf gibts dann mehrere Varianten: Am Angenehmsten isses natürlich, wenn der Kunde sein Geldbeutel zückt, sich überschwenglich bedankt und – weil er schließlich bloß amol 37 wird und des Lebn überhaupt grod so schee is, a poor Hunderter mehr als ausgmacht aufn Tisch blättert. Leider is diese Spezies ziemlich selten. Wennst ganz viel Pech hast, oder der Kunde gar der Wirt selber war, gibts stattdessen mannigfaltige Gründe für Gagenabzüge: Die Musik hat a Zech von Hunderten von Euro zammbracht! Der Bassist hat immer bloß auf die Eins gspielt und is den Rest des Abnds rumgstandn! Ohnehin is des schlechte Wetter, des gleichzeitig stattfindende Länderfußballspiel und die allgemeine Konjunkturlage immer geeignet auf die Tränendrüsen von Musikanten loszugehn. Aber meistens gehts dann doch gut aus: Mit entsprechender Härte und Durchsetzungsvermögen packst du deine Scheinla - und schließlich dei Instrument zamm. Wennst ders dann noch gschafft hast, schier unteilbare Geldbeträge durch fünf zu teilen, kommst irgendwann mehr früh als spät schließlich hamm und in dei Bett. Und dann fällt der ei, dass so a seltsamer Mensch aufm Anrufbeantworter morgn früh um Sechser zurückgrufen werdn wollt.





© Stefanie Zachmeier. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts ist ohne schriftliche Zustimmung unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, übersetzung, Mikroverfilmungen und die digitale Speicherung und Verarbeitung.


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